Presse zum 4. Spieltag

Mit der Beton-Taktik zum Auswärtssieg

Mit der Beton-Taktik zum Auswärtssieg

Gütersloh-Spexard (de). Manche parken den Bus vorm Tor, Martin Simov rührt Beton an. Und die Taktik des Trainers von Fußball-Westfalenligist SV Spexard ist voll aufgegangen, denn sein Team setzte sich mit 2:0 (0:0) beim 1. FC Gievenbeck durch.

Nach den schlechten Erfahrungen der vergangenen Situation – es setzte in zwei Spielen insgesamt neun Gegentore ohne eigenen Treffer – verpasste Simov den „Spechten“ diesmal in weiser Voraussicht eine defensive Grundordnung. „So tief habe ich meine Mannschaft noch nie stehen lassen, wir haben sprichwörtlich Beton angerührt, das war aber allein dem Gegner geschuldet“, beorderte Simov mit Ilja Nepke, Lukas Meiertoberens und Mats Marek Drücker gleich drei Spieler auf die Sechserposition. „Aber ich habe trotzdem Marc Birkenhake im Sturm spielen lassen“, fügte er fast schon entschuldigend hinzu.

So erlebten die 130 Zuschauer ein über weite Strecken einseitige Partie, denn „Gievenbeck hatte zu gefühlt 80 Prozent Ballbesitz“. Die konnten die favorisierten Hausherren bei „ein bis zwei Torchancen“, so Simov, dank der kompakten SVS-Defensive allerdings nicht in Treffer umsetzen. Für die Zuschauer sei es trotzdem ein interessantes Spiel gewesen. Ein spannendes allemal. Vor allem, als Philip Kunde in der 68. Minute zustach. Nach Vorarbeit von Fatih Gürer brachte Kunde die „Spechte“ mit 1:0 in Führung.

Mit einer Niederlage wollte sich Gievenbeck nicht zufriedengeben und drängte entsprechend auf den Ausgleich. Doch der Beton hielt stand und fast schon zwangsläufig ergaben sich Konterchancen für die Gäste. So hatte der eingewechselte Güven Kaplan überhaupt keine Probleme, ins leere Tor einzunetzen und den SVS-Sieg perfekt zu machen (90.+1).

SV Spexard: Ellguth – Adrian (63. Kaplan), Brück, Dahlkämper, Merklinger – Nepke (90.+1 Haukambe), Meiertoberens, Drücker – Gürer (85. Kemper), Birkenhake (80. Armstrong), Kunde.

Tore: 0:1 (68.) Kunde, 0:2 (90.+1) Kaplan.

1. FC Gievenbeck verliert ohne 13 gegen Spexard

Münster - Die lange Ausfallliste machte sich beim 1. FC Gievenbeck am Sonntag massiv bemerkbar. Trotzdem wäre gegen den SV Spexard mehr drin gewesen für die Münsteraner, die bei der 0:2-Niederlage einiges an Chancen liegenließen.

Benjamin Heeke suchte die Einsamkeit. Nach den wenig inspirierenden 90 Minuten auf dem Gievenbecker Grün zog er sich einen Moment lang an den Mittelkreis zurück. Runterkommen. Den Kopf freikriegen – Frustbewältigung pur. Das 0:2 (0:0) gegen den SV Spexard arbeitete in dem Trainer des Oberliga-Absteigers. „Ich bin nicht sauer“, stammelte er, „aber akzeptieren kann ich das so nicht.“

Völlig alleingelassen fühlte er sich auch in den eineinhalb Stunden davor. Der Match-Plan floppte, die Kommandos an der Seitenlinie verpufften, jegliche Versuche, seinen Flemmern vom 1. FC Gievenbeck verbal Leben einzuhauchen, verliefen im Sand. Was für ein gebrauchter Tag. „Alle meinen hier, wir gewinnen das mal eben so“, wirkte er denn doch angefressen, als er die Erwartungshaltung kritisierte – des Vereins, der Kicker. „Wir haben sechs Spieler des Jahrgangs 2000 im Team. Das wissen alle.“ Wer also meint, der Club könnte locker oben mitmischen, vielleicht sogar den Aufstieg ins Visier nehmen, der irrt.

Nun spielte Gievenbeck an diesem Sonntag die personelle Situation nicht gerade in die Karten. 13 Spieler fielen verletzungsbedingt aus. Fünf U-19-Kräfte wurden am Freitag ins Training eingebunden, Louis Martin spielte im Sturmzentrum an der Seite von Christian Keil sogar von Beginn an. Auch der „verschollene“ Maximilian Natrup rückte in die Startelf. Er gehört eigentlich seit eineinhalb Jahren nicht mehr zum Kader, arbeitet in Düsseldorf, hat aber gottlob noch seinen Pass am Gievenbecker Weg deponiert. Die Namen der beiden „Neuen“ fanden in der Kürze der Zeit indes nicht den Weg auf das weiße Dress.

Im aufgeräumten 4-4-2 versuchte der Hausherr, das Beste aus der Situation zu machen. Keil (3.) und Martin (11.) hatten ordentliche Szenen, auch Jannik Balz per Freistoß (27.). So richtig in die Box kam der FCG nicht. Drei Tore aus jetzt vier Spielen sind nicht erwähnenswert. In der Offensive drückt der Fußballschuh.

Daran änderte auch Abschnitt zwei nichts. Keil setzte nach 55 Minuten Balz in Szene. Anstatt zu schießen, versuchte der nochmals querzulegen – und weg war das Leder. Typisch an diesem Tag, irgendwie wollten sie den Ball ins Tor kombinieren. Auch nach dem 0:1, das Philip Kunde nach 68 Minuten erzielt hatte. Niemand nahm sich seiner an, der Spexarder zog aus 20 Metern ab und überraschte auch Gievenbecks Tormann Nico Eschhaus. Die beste Chance zum Ausgleich vergab Niklas Leser, der von Balz fein freigespielt wurde, in Gäste-Schnapper Yannick Ellguth aber seinen Meister fand. (74.). Unmittelbar vor Schluss versuchten sich Keil und Daniel Geisler einmal mehr in Schönspielerei, anstatt den Abschluss zu suchen. Bei der letzten Ecke ging Eschhaus mit vorne rein, der Konter landete im leeren Tor. Güven Kaplan sagte danke. 0:2 – das Spiel war entschieden.

FCG: Eschhaus – Heubrock, Stummer, Mende, Natrup (77. Gerick) – Kurk (67. Leisgang), Leser, Geisler, Balz – Keil, Martin.

 

SV Spexard II – Tur Abdin Gütersloh 1:2

Die „Spechte“ erwischten nicht den besten Tag. „Wir waren zu weit weg“, monierte Trainer Dirk Siemann, der von Schiedsrichter Wolfgang Tripp die Gelbe Karte sah. „Tur-Abdin hat seine Qualität gut ausgespielt.“ Kurz vor der Pause gelang Gabriel Konuk das 0:1 (41.). Benjamin Aydin erhöhte auf 0:2 (57.). Der Anschlusstreffer von Julian Fouad kam zu spät (82.), auch wenn die Gäste am Ende nur noch verteidigten.

 

Drei Fragen an Nils Heubrock

Nils Heubrock, Kapitän des 1. FC Gievenbeck, war nach der Partie bedient.Wie groß ist bei Ihnen die Enttäuschung nach dieser überflüssigen Niederlage?Heubrock: Riesig. Wir wollten mit einem Sieg Münsters Nummer eins in der Westfalenliga sein und am spielfreien TuS Hiltrup vorbeiziehen. War wohl nichts.Woran hat es gelegen?Heubrock: Wir haben nie so in dieser Formation zusammengespielt. Da passen die Laufwege schon mal nicht, bleibt die Kommunikation auf der Strecke. Trotzdem war mehr möglich.Bei der Spexarder Führung sah die Gievenbecker Defensive nur brav zu. Warum griff keiner ein?Heubrock: Diesen Ball trifft Philip Kunde einmal in der Saison so. Aber es stimmt schon, wir haben artig danebengestanden. Jetzt müssen wir uns wieder aufrichten.